Loch im Zahn

Abschied von Karius und Baktus: Wie Karies wirklich entsteht (und warum das gute Nachrichten sind)

Das Kinderbuch von den zwei Zahntrollen mit der Spitzhacke ist ein Klassiker. Doch aus medizinischer Sicht ist dieses Bild überholt. Karies ist keine Zerstörungswut kleiner Monster, sondern ein biochemischer Prozess.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig für Sie? Ganz einfach: Wenn Sie verstehen, dass Karies eine Stoffwechselerkrankung des Zahnbelags ist, verstehen Sie auch, wie Sie den Prozess stoppen können, bevor der Bohrer nötig wird. Wir werfen einen Blick unter das Mikroskop.

Der Entstehungsprozess

1. Der Tatort: Biofilm statt „Belag“

Auf Ihren Zähnen leben Milliarden von Bakterien. Das ist völlig normal und gesund. Diese Mikroorganismen organisieren sich in einem komplexen Netzwerk, dem sogenannten Biofilm (früher Plaque). Solange dieses Ökosystem im Gleichgewicht ist, passiert Ihren Zähnen nichts. Kritisch wird es erst, wenn wir die „falschen“ Bakterien füttern.

2. Der Treibstoff: Zucker ist der Motor

Bestimmte Bakterien im Biofilm (z.B. Streptokokken und Laktobazillen) lieben fermentierbare Kohlenhydrate. Dazu gehört nicht nur der offensichtliche Haushaltszucker, sondern auch Fruchtzucker, Stärke (Chips, Cracker) und versteckte Zucker in Fertigprodukten.

Der chemische Prozess:

  1. Die Bakterien verstoffwechseln den Zucker blitzschnell.
  2. Als Abfallprodukt scheiden sie organische Säuren (z.B. Milchsäure) aus.
  3. Diese Säure senkt den pH-Wert im Mund schlagartig ab.

3. Der Angriff: Die Entkalkung (Demineralisation)

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers, aber er hat eine Schwachstelle: Säure. Sinkt der pH-Wert unter eine kritische Grenze (ca. 5,5 bis 5,7), lösen sich Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus dem Schmelzgitter. Der Zahn wird porös. Dies ist der Beginn der Karies – lange bevor ein Loch sichtbar ist. Wir nennen dies Initialkaries (oft als kreideweißer Fleck erkennbar).

4. Die Rettung: Ihr Speichel als Reparatur-Trupp

Normalerweise hat der Körper ein eigenes Reparatursystem: den Speichel.

  • Pufferung: Er neutralisiert die Säuren und hebt den pH-Wert wieder an.
  • Remineralisation: Er ist gesättigt mit Kalzium und Phosphat und lagert diese Bausteine wieder in den Zahn ein.

Das Problem der Frequenz: Dieser Reparaturprozess dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Wenn Sie nun ständig naschen oder zuckerhaltige Getränke (auch Saftschorlen!) über den Tag verteilt trinken, kommt der Speichel mit der Reparatur nicht hinterher. Die Waage kippt dauerhaft zugunsten der Zerstörung.

Risikofaktor Anatomie: Wo die Bürste versagt

Nicht jeder Zahn ist gleich gefährdet. Karies beginnt fast immer an den sogenannten Prädilektionsstellen (Nischen):

  • Fissuren: Die tiefen Grübchen auf den Kauflächen der Backenzähne sind oft schmaler als eine einzelne Borste Ihrer Zahnbürste. Bakterien können hier monatelang ungestört „arbeiten“.
  • Engstände: Verschachtelte Zähne verhindern eine effektive Reinigung.

Ein Wort zur „Ansteckung“ (Transmission)

Lange hieß es: „Lecken Sie niemals den Löffel Ihres Babys ab!“ Fakt ist: Kariesbakterien sind übertragbar (Speichelkontakt). Doch moderne Studien zeigen, dass die Übertragung der Bakterien allein noch keine Karies macht. Entscheidender ist das Milieu. Wenn Sie Ihrem Kind eine zuckerarme Ernährung und gute Pflege bieten, können sich die Kariesbakterien dort gar nicht erst explosionsartig vermehren – selbst wenn sie übertragen wurden. Unser Rat: Hygiene ist wichtig, aber Panik ist unbegründet. Achten Sie primär auf die Ernährungsgewohnheiten.

Fazit: Karies ist kein Schicksal. Es ist ein Ungleichgewicht zwischen Säureangriffen und der Reparaturkraft Ihres Speichels. Mit der richtigen Fluoridierung und Pausen zwischen den Mahlzeiten halten Sie dieses Gleichgewicht stabil. So können Sie Karies vorbeugen.

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