Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich Ihre Zähne morgens „pelzig“ anfühlen, obwohl Sie am Abend zuvor geputzt haben? Die Antwort liegt in einer faszinierenden, mikroskopisch kleinen Welt: dem Biofilm.
Der Begriff „Professionelle Zahnreinigung“ (PZR) ist vielen bekannt. Doch in der modernen Zahnmedizin sprechen wir heute präziser vom Biofilm-Management. Das ist keine Wortklauberei, sondern beschreibt einen Paradigmenwechsel: Wir jagen nicht mehr nur Essenresten oder Verfärbungen hinterher, sondern wir kontrollieren ein hochkomplexes bakterielles Ökosystem, um Krankheiten zu verhindern.
Was ist Biofilm eigentlich?
Biofilm ist weit mehr als nur „Belag“. Es ist eine hochorganisierte Lebensgemeinschaft aus Milliarden von Bakterien, die in einer schützenden Schleimschicht (Matrix) eingebettet sind.
- Der Schutzschild: Diese Matrix schützt die Bakterien vor äußeren Angriffen – und leider oft auch vor Ihrer Zahnbürste und Mundspüllösungen.
- Das Gleichgewicht: Solange die Bakterienflora im Gleichgewicht ist (Symbiose), ist alles gut.
- Die Gefahr: Wird der Biofilm zu dick oder reift er in den Zahnzwischenräumen zu lange, kippt das System („Dysbiose“). Aggressive Bakterien nehmen überhand, produzieren Säuren (Karies) oder Toxine, die das Zahnfleisch entzünden (Parodontitis).
Warum die häusliche Pflege nicht reicht
Sie können noch so gut putzen: Mit Zahnbürste und Zahnseide erreichen Sie maximal 60 bis 70 % der Zahnoberflächen. Die kritischen Nischen – tief in den Zahnfleischtaschen und in den engen Zwischenräumen – bleiben oft unerreicht. Genau hier setzt das professionelle Biofilm-Management an.
Der moderne Ablauf: Sanft statt brachial
Früher wurde bei der Zahnreinigung viel gekratzt und geschabt. Das ist heute anders. Wir orientieren uns an modernen Protokollen (wie der Guided Biofilm Therapy), die maximal schonend für den Zahnschmelz sind:
1. Die Diagnose & Das Sichtbarmachen
Wir raten nicht, wir schauen genau hin. Zunächst färben wir die Zähne mit einer speziellen Lösung an.
- Der Aha-Effekt: Der Biofilm wird farblich sichtbar. Sie sehen selbst, wo Sie gut putzen und wo Ihre „Problemzonen“ liegen. Das ist das beste Training für zu Hause.
2. Der „Hochdruckreiniger“ (Air-Polishing)
Statt mit Kratzern zu beginnen, entfernen wir den weichen Biofilm und Verfärbungen (Kaffee, Tee, Rauchen) heute meist zuerst mit einem Gemisch aus Luft, warmem Wasser und einem ultrafeinen Pulver (z.B. Erythritol).
- Der Vorteil: Dieser Strahl gelangt überall hin – auch unter den Zahnfleischrand und in tiefste Nischen. Er ist sanft zum Zahnfleisch und poliert die Zähne gleichzeitig.
3. Gezielter Ultraschall
Erst wenn der Biofilm weg ist, sehen wir, ob noch harter Zahnstein vorhanden ist. Dieser wird gezielt mit modernen Ultraschallinstrumenten (Piezon) entfernt. Da wir nicht mehr „blind“ arbeiten, ist dieser Schritt oft viel schneller und schmerzärmer als früher.
4. Schutz und Kontrolle
Abschließend werden die sauberen Zahnflächen fluoridiert. Das stärkt den Schmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen neue Säureangriffe.
Wie oft ist „oft genug“?
Die alte Regel „zweimal im Jahr“ ist ein guter Durchschnitt, aber nicht für jeden medizinisch korrekt. Wir legen Ihr Intervall anhand Ihres persönlichen Risikoprofils fest:
- Haben Sie ein hohes Kariesrisiko oder viele Füllungen?
- Leiden Sie unter Diabetes oder nehmen Sie Medikamente, die den Speichelfluss reduzieren?
- Haben Sie Implantate oder eine Vorgeschichte mit Parodontitis?
Je nach Antwort kann ein Intervall von 3 bis 6 Monaten sinnvoll sein. Biofilm-Management ist Ihre Versicherung gegen Bohrer und Zahnverlust. Investieren Sie diese Stunde in Ihre Gesundheit.