Mundgeruch

Halitosis oder Foetor ex ore? Warum Mundgeruch fast nie „vom Magen“ kommt

Es ist das vielleicht letzte große Tabu im zwischenmenschlichen Umgang: Mundgeruch. Paradoxerweise sind es oft nicht die Betroffenen selbst, die das Problem bemerken – unser Geruchssinn adaptiert schnell an körpereigene Reize –, sondern das soziale Umfeld. Die Folge ist oft ein schambehafteter Rückzug.

Dabei ist Mundgeruch keine Frage von „Schuld“, sondern meist ein klares medizinisches Symptom mit einer biologischen Ursache. Als Zahnmediziner möchten wir Ihnen helfen, das Problem an der Wurzel zu packen. Der erste Schritt ist dabei die korrekte Diagnose: Woher kommt der Geruch wirklich?

Der „Nasen-Test“: Die medizinische Unterscheidung

In der Fachsprache differenzieren wir sehr genau, auf welchem Weg die Atemluft belastet ist. Das gibt uns den entscheidenden Hinweis auf die Ursache.

1. Foetor ex ore (Der lokale Ursprung)

Dies ist die mit Abstand häufigste Form (ca. 90 % der Fälle).

  • Das Symptom: Der Geruch ist nur wahrnehmbar, wenn Sie durch den Mund ausatmen oder sprechen. Atmen Sie bei geschlossenem Mund durch die Nase aus, ist nichts zu riechen.
  • Die Ursache: Das Problem liegt lokal in der Mundhöhle oder im Rachenraum (dazu unten mehr).

2. Halitosis (Der systemische Ursprung)

Diese Form ist deutlich seltener (ca. 10 % der Fälle).

  • Das Symptom: Der Geruch ist auch dann wahrnehmbar, wenn Sie bei geschlossenem Mund durch die Nase ausatmen.
  • Die Ursache: Da die Ausatemluft aus der Lunge und den Nebenhöhlen kommt, liegen die Ursachen hier oft im HNO-Bereich (chronische Sinusitis), in den Atemwegen oder selten im Stoffwechsel. Hinweis: Der oft vermutete Magen ist extrem selten die Ursache.

Die Biochemie des Geruchs: Was passiert da eigentlich?

Konzentrieren wir uns auf den häufigsten Fall, den Foetor ex ore. In unserem Mund leben Milliarden von Mikroorganismen – ein völlig normales Ökosystem. Unter diesen Bewohnern gibt es spezialisierte Bakterien (Anaerobier), die unter Sauerstoffabschluss leben. Sie verarbeiten Eiweiße aus Nahrungsresten, Speichel oder abgestorbenen Zellen. Bei diesem Zersetzungsprozess entstehen Gase, sogenannte flüchtige Schwefelverbindungen (VSC). Vereinfacht gesagt: Es sind genau diese Schwefelverbindungen, die den unangenehmen Geruch erzeugen.

Die Verstecke der Bakterien

Damit diese Bakterien aktiv werden können, brauchen sie Nischen, in denen sie vor Sauerstoff und der Zahnbürste geschützt sind. Die häufigsten „Geruchs-Fabriken“ sind:

  • Die Zunge: Besonders das hintere Drittel der Zunge ist stark zerklüftet und schwer zu reinigen. Hier sitzen oft 60–80 % der verursachenden Bakterien.
  • Parodontale Taschen: Bei einer Parodontitis (Zahnbettentzündung) bilden sich tiefe Taschen, die für Sie zu Hause nicht reinigbar sind.
  • Undichte Ränder: Überstehende Kronenränder oder alte Füllungen bieten perfekte Nischen für Fäulnisprozesse.
  • Prothesen: Die raue Unterseite von Zahnersatz ist ein idealer Haftgrund für Biofilm.

Der Speichel: Ihre natürliche Mundspülung

Ihr Speichel ist weit mehr als nur Wasser. Er ist reich an Sauerstoff und Enzymen, die das Bakterienwachstum hemmen und Schwefelverbindungen neutralisieren. Fällt die Speichelproduktion ab, haben Bakterien leichtes Spiel. Das erklärt auch den typischen „Morgengeruch“: Nachts fährt die Speichelproduktion auf fast Null herunter. Vorsicht bei Mundtrockenheit (Xerostomie): Bestimmte Medikamente (z.B. gegen Bluthochdruck oder Depressionen), Stress oder zu geringe Trinkmengen können zu dauerhaftem Mundgeruch führen, weil die natürliche Spülfunktion fehlt.

Unser Fazit

Mundgeruch ist fast immer ein lokales, orales Problem – und damit heilbar. Sie müssen sich nicht damit abfinden oder es mit Pfefferminzbonbons überdecken. Eine präzise Diagnose in unserer Halitosis-Sprechstunde klärt, ob es sich um Foetor ex ore oder Halitosis handelt und welche Therapie Ihnen dauerhaft frischen Atem schenkt.

Gerne beraten wir Sie persönlich in unserer Zahnarztpraxis.

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